Fehlerhaftes Tracking – wer ist der Bösewicht?
Affiliate Marketing ist Vertrauenssache. Zumindest für den Affiliate. Er muss darauf vertrauen, dass Sales und Leads ordnungsgemäß getracked werden und dass Provisionen nach zustande gekommenen Verkäufen (d.h. nach Zahlungseingang) dann auch freigegeben werden.
Das Angebot an Partnerprogrammen ist mittlerweile durchaus groß und der Affiliate kann bei mangelndem Erfolg schnell das Partnerprogramm wechseln. Da sollte man doch meinen, dass es im Interesse aller ist, dass alle Sales und Leads ordentlich getracked und vergütet werden. Dennoch hört und liest man immer wieder von nicht erfassten Transaktionen. Natürlich gibt es dabei Fälle, wo der User selbst der “Schuldige” ist. Etwa wenn Cookies gelöscht oder garnicht erst akzeptiert werden, wenn der Browswer gewechselt wird, oder wenn der User Malwar á la 180solutions auf seinem Rechner hat. Doche wenn man davon ausgeht, dass beim User alle Voraussetzugen für ordnungsgemäßes Tracking gegeben sind und eine Transaktion dennoch nicht erfasst wird, stellt sich die Frage:
Wer ist der Bösewicht?
Auch wenn auf den ersten Blick scheinbar alle Seiten an funktionierendem Tracking interessiert sind, gibt es doch drei Parteien, die zumindest theoretisch die Möglichkeit haben, sich auf Kosten des Affiliates zu bereichern:
1. Der Merchant
Der Merchant ist immer der erste Verdächtige. Die Vorteile für den Merchant bei nicht erfassten Transaktionen liegen auf der Hand: er spart sich nicht nur die Provision für den Affiliate, sondern auch jene für´s Netzwerk und ggf. auch noch für die Agentur. Außerdem ist es für den Merchant recht einfach, Provisinen zu unterschlagen: er muss einfach nur dafür sorgen, dass der Trackingcode nicht immer ausgegeben wird.
2. Das Netzwerk
Grundsätzlich lebt ein Netzwerk idR von den Provisionen der Affiliates, da vom Merchant eine anteilige Provision davon auch an das Netzwerk bezahlt werden muss. Das Netzwerk hat also kein Interesse daran, Provisionen überhaupt nicht zu tracken. Was das Netzwerk allerdings machen könnte ist, die Transaktionen nur auf Merchantseite, nicht aber auf Affiliate-Seite auszugeben. So spart man sich die Auszahlung an den Affiliate und streicht dennoch die anteilige Provision vom Merchant ein. Theoretisch besteht hier zwar die Gefahr, dass das ganze auffliegt. Aber wie viele Affiliates und Merchants vergleichen schon gegenseitig Ihre Umsätze? Wahrscheinlich ist ein Auffliegen daher nicht unbedingt.
3. Die Agentur
Auch die Agentur hat grundsätzlich natürlich sehr wohl ein Interesse daran, dass alle Sales korrekt erfasst werden. Jene Agenturen, die mit Umsatz-Beteiligung arbeiten sowieso – aber auch wenn das nicht der Fall ist, ist es doch im Interesse der Agentur, Erfolge des Partnerprogramms vorweisen zu können. Eine Agentur wird idR also schon darauf achten, dass alles getracked wird. Die Agentur könnte jedoch theoretisch Provisionen auf Agentur-eigene Accounts umleiten. Einige Agenturen haben zwischen Netzwerk und Merchant ihr eigenes Tracking zwischengeschaltet. Von dieser zwischengeschalteten URL könnten Sie nun ohne weiters auf den eigenen Affiliate-Link umleiten. Das dürfte natürlich nicht bei jedem Aufruf passieren – so lange nur ein kleiner Teil der Aufrufe “umgeleitet” wird, ist die Wahrscheinlichkeit recht gering, dass da mal jemand dahinter kommt.
Ob diese Praktiken auch wirklich angewendet werden, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich wollte in erster Linie einmal aufzeigen was möglich ist, um vielleicht auch bei anderen Affiliates eine gewisse Sensibilisierung für dieses Thema zu schaffen.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Das größte Problem ist, dass der Affiliate in der Regel nichts davon mitbekommt, wenn etwas nicht getracked wird (sofern er nicht z.B. ein Bonus-System betreibt, bei dem sich die User dann selbst melden, wenn eine Provision fehlt). Daher empfiehlt es sich – vor allem natürlich bei Verdacht – immer wieder mal Testbestellungen durchzuführen. Dabei sollte man nicht nur darauf achten, ob der Sale oder Lead auch in den Statistiken aufscheint, sondern ob auf der Seite am Ende der Transaktion auch der Trackingcode eingefügt ist (dazu einfach Quellcode ansehen und mit Strg+F nach der Domain des Netzwerkes suchen).
Ist der Trackingcode da und der Sale wird nicht erfasst, gibt es folgende Möglichkeiten:
- das Trackingcode ist fehlerhaft eingefügt
- das Tracking ist fehlerhaft
- das Netzwerk hat die Provisoin nur Merchantseitig erfasst
- die Provision wurde “umgeleitet” (z.B. durch die Agentur)
Ist der Trackingcode nicht vorhanden, gibt es folgende Möglichkeiten:
- der Merchant hat den Trackingcode – bewusst oder unbewusst – entfernt
- der Merchant hat die Ausgabe des Trackingcodes unterdrückt
- erfolgt die Transaktion nicht direkt nach dem Klick oder nach Klick auf einen Deeplink wird ev. sessionabhängiges Cookie-Tracking eingesetzt
Wie man nun auf einen nicht getrackten Sale oder Lead reagiert, muss man am Ende selbst entscheiden. Mehr als das Partnerprogramm von seinen Seiten zu verbannen, kann man in der Praxis wohl ohnehin nicht tun. Und selbst das fällt oft gar nicht so leicht, wenn es vielleicht wenig gute Alternativen gibt.
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Am 2. Mai 2007 um 23:19 Uhr
Mal wieder ein interessanter Artikel.
Ich denke die Netzwerke haben es nicht nötig Provisionen zu unterschlagen, sie verdienen schon gut mit, und auch ist die Konkurrenz unter ihnen ziemlich groß. Auch den selbst-trackenden Agenturen würde ich so etwas nicht zutrauen.
Bei den Merchants kann es durchaus mal die ein oder andere Verdächtigung geben, wie man in Foren ja ab und zu liest.
Doch die Netzwerke schauen da normalerweise schon recht genau drauf, um so etwas zu verhindern.
Hast du denn, oder jmd. anders, Erfahrungen mit nicht-getrackten Provisionen machen müssen?
Am 3. Mai 2007 um 08:51 Uhr
Aus meiner Erfahrung muss ich sagen, dass die allermeisten Eigen- bzw. Testkäufe, die ich bisher gemacht habe, korrekt verprovisioniert wurden. Das eine oder andere mal kam es aber schon vor, dass ein Sale nicht auftauchte. Ist aber auch klar – denn vernünftigerweise muss das der “Bösewicht” natürlich so machen, dass nur ein kleiner Teil der Sales nicht erfasst wird. Sonst fällt´s natürlich auf.
Natürlich ist der Merchant als Bösewicht viel wahrscheinlicher als Netzwerk oder Agentur. Denn für ihn ist es am einfachsten und am effektivsten, Sales zu unterschlagen.
Ich wollt´s im Artikel nicht schreiben, weil der Blog nicht zum zanox-Bashing-Blog werden soll – aber im Kommentar kann ich ja mal drauf hinweisen:
http://www.100partnerprogramme.de/forum/affiliate-talk/2564-wo-sind-meine-sales.html#2
Eine Mitarbeiterin von zanox hat mir später erklärt, dass die Sales auch für den Affiliate korrekt getracked, aber nur nicht angezeigt wurden. Das kann man dann halt glauben oder auch nicht.
Am 3. Mai 2007 um 10:16 Uhr
Du alter Zanox-Basher
Also ich sag mal, die beiden Marktführer-Netzwerke verdienen soviel $$$, die haben es am wenigsten nötig zu mogeln. Wenn dann würde man es eher kleinen Netzwerken zutrauen.
Am 3. Mai 2007 um 17:55 Uhr
Es gibt noch viel mehr Gründe, warum trotz vorhandenen Tracking Codes die Aufzeichnung beim Netzwerk scheitert. Einige Beispiele:
Wenn falsche Tracking-Kategorien benutzt werden, die das Netzwerk nicht kennt bzw. nicht verarbeiten kann, landen die Sales auch im Fehlerreport. Es wird nicht provisioniert, wenn die Zeit zwischen Click und Transaktion zu lange war. Manche Netzwerke wie CJ und Tradedoubler prüfen auf valide Browser, wo manche Exoten vielleicht weggefiltert werden könnten. Auch sind bestimmte IP-Adressen auf dem Index.
Am 3. Mai 2007 um 19:32 Uhr
>Wenn falsche Tracking-Kategorien benutzt werden
Kannst du das mal kurz erklären?
>Es wird nicht provisioniert, wenn die Zeit zwischen Click und Transaktion zu lange war
OK, das hab ich nicht extra angeführt – das sollte aber hoffentlich jedem klar sein?
>Manche Netzwerke wie CJ und Tradedoubler prüfen auf valide Browser
Interessant, man lernt nie aus.
>Auch sind bestimmte IP-Adressen auf dem Index
Werden da ganze IP-Blöcke ausgeschlossen? Sonst würde das im Zeitalter von dynamischen IPs ja wenig Sinn machen. Aber wenn das der Fall ist, wird da wohl durchaus öfter mal was ungerechtfertigt rausgefiltert.
Am 4. Mai 2007 um 16:42 Uhr
Hallo,
na ja, man kann auf jeden fall andere Affiliates waren und darauf hinweisen !
Hallo,
Warum macht eigentlich keiner bei meinem Blg Gewinnspiel mit )-:
Das Gewinnspiel findet ihr hier:
Wein Gewinnspiel
Gruß
Frank
PS: Dankesagung ist nicht vergessen !