Heute hab ich es mal geschafft, den Thread zum Fall Snapfish komplett zu lesen. Normalerweise meide ich ja Threads die im affiliate.de-Forum über mehr als 2 Seiten gehen. Weil man mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass hier irgendwelche Kleinkriege ausgetragen werden. Wobei nicht nur ein angemessener Ton und der gesunde Menschenverstand, sondern oft auch der Bezug zum Thema völlig auf der Strecke bleibt. So auch hier. In diesem Fall ist aber die Grundproblematik nicht uninteressant. Daher möchte ich jenen, die solche Threads ansonsten ebenso meiden, den ganzen Fall hier kurz vorstellen und kommentieren.
Was ist passiert?
Das Partnerprogramm Snapfish bezahlt neben einer Sale-Vergütung von 15% auch 8 Euro für jeden Neukunden. Ein Affiliate hat nun begonnen, Gratis-T-Shrits von snapfish zu bewerben. Und zwar mit Hilfe eines Gutscheincodes, der den Preis des T-Shirts übersteigt. Der Gutscheincode wurde allerdings nicht im Rahmen des Partnerprogramms zur Verfügung gestellt, sondern stammt aus einer anderen (mir unbekannten) Quelle. Man bekam also 8 Euro Provision für die Vermittlung eines kostenlosen T-Shirts. Das ganze machte dann die Runde und viele Affiliates sprangen auf den Zug auf. Einige davon generierten mit dieser “Masche” wohl ganz ordentliche Provisionen im fünfstelligen Bereich.
Da bei Snapfish die Provisionen generell automatisiert freigegeben werden, geschah das auch hier. Bis Snapfisch Wind von der Sache bekam – dann wurden alle Provisioenn bei Accounts ab einer gewissen Größenordnung storniert und später wieder auf “offen” gesetzt. Der aktuelle Stand ist nun wohl jener, dass alle Webmaster, deren Umsätze sich im Rahmen hielten ausbezahlt werden bzw. schon wurden. Bei fünfstelligen Summen sollen nun 60% storniert werden.
Die rechtliche Seite
Es gab seitens des Programmbetreibers grundsätzlich keine Einschränkung bezügl. der Verwendung von Gutscheien zum Bewerben des Partnerprogramms. In den Einschränkugen fand sich aber folgender Satz:
Provisionen gibt es für Bestellungen von Abzügen, Fotogeschenken und Fotocards mit einem Netto-Warenwert grösser 0,00 Euro.
Die Bezeichnung “Netto-Warenwert” ist hier allerdings missverständlich. Denn der Warenwert ist ja in jedem Fall größer 0,00 Euro. Durch den Gutschein vermindert sich lediglich der Rechnungsbetrag. Gemeint ist aber klarerweise nicht der Warenwert, sondern der Bestellwert. Eine Erläuterung von RA Sasch Kremer ist hier nachzulesen. Er kommt diesbezüglich zum Fazit:
Ob Zahlungsansprüche der Affiliates bestehen hängt also maßgeblich davon ob, wie man die Einschränkung auslegt: Nach dem Wortlaut oder nach dem Sinn und Zweck.
Ersteres scheint jedoch wahrscheinlicher, denn: “Sind die AGB unverständlich, muss der Verwender – hier also Snapfish – die Nachteile tragen.”
Fraglich ist aber darüber hinaus die Rechtmäßigkeit des Einsetzens des Gutscheincodes, der ja nicht im Rahmen des Partnerprogramms den Affiliates zu Werbezwecken zur Verfügung gestellt wurde.
Die moralische Seite
Eines ist klar: gewollt hat Snapfisch das in dieser Form mit Sicherheit nicht. Im Forum wurde mehrmals von “aggresiver Werbung” seitens Snapfish gesprochen. Das mag schon sein. Aber wenn man mit Gratisprodukten neue Kunden gewinnen hätte wollen, dann hätte man auch damit geworben. Auch wenn es rechtlich vielleicht OK sein sollte – hier wird der Merchant über´n Tisch gezogen. Dass dies nur aufgrund mehrerer Unachtsamkeiten des Merchants überhaupt möglich wurde, kann ich als Argument nicht gelten lassen. Mit der “Selber Schuld”-Argumentation konnte ich schon zu Dialer-Zeiten wenig anfangen. Da es hier einen Weltkonzern trifft, hält sich mein Mitleid zwar in Grenzen. Von einer fairen Partnerschaft kann man hier aber wohl kaum sprechen.
Sollen die Provisionen ausbezahlt werden?
Was man Snapfish allerdings vorwerfen muss, ist das Vorgehen nach Bekannwerden der Gratis-TShirt-Aktionen. Das Hin und Her mit den Provisionen und vor allem die ungleiche Behandlung der Partner je nach Provisionshöhe waren schon mehr als unglücklich. Snapfish wäre wohl gut beraten, die Provisionen – abgesehen von Doppelbestellungen etc. – nun auch auszuzahlen.
Eines ist klar: so ganz nutzlos war die Aktion für Snapfish auch wieder nicht. Klar ist der Anteil der auf diesem Wege gewonnenen Neukunden, die später auch einmal zu zahlenden Kunden werden, nicht allzu hoch. Klar wird man draufzahlen.
Aber wenn man Fehler macht, sollte man auch die Verantworung dafür übernehmen und das nicht zur Gänze auf jene abschieben, die die Fehler ausgenutzt haben.
Und welche Rolle spielen die Netzwerke?
Etwas unverständlich ist mir, dass affilinet von eingen Affiliates in die Kritik genommen wird. Bei zanox und adbutler dürften alle Provisionen freigegeben worden sein. Woran das liegt, kann ich nicht beurteilen – vielleicht gab es nur bei Affilinet entsprechend große Accounts? Vielleicht gibt es bei den anderen technisch keine Möglichkeit für den Merchant, bereits bestätigte Sales doch noch zu stornieren? Aber eines ist doch klar: ob Sales bestätigt oder storniert werden, entscheidet einzig und allein der Merchant. Auch affilinet verdient mit den Provisionen. Also wird man im eigenen Interesse versuchen, Snapfish dazu zu bringen, die Provisionen freizugeben. Zwar natürlich nur in einem Rahmen, der die zukünftige Zusammenarbeit nicht gleich in Frage stellt. Aber affilinet wird sicher nicht darauf hinwirken, dass die Sales storniert werden – geschweige denn sie selbst stornieren.
Was meint Ihr zu dem Fall, liebe Leser? Würdet ihr eine solche “Lücke” ausnutzen? Und würdet ihr an Stelle von Snapfish die Provisionen zahlen? Ich bitte um eure Meinung!