Session-Tracking bei Tchibo
Wie ich beim Bericht zur zanox acadamy schon kurz angesprochen hatte, kam es auch zu einer Diskussion zum Thema Tracking. Tchibo verwendet ausschließlich Session-Tracking, wodurch natürlich zwangsläufig die Frage nach dem Warum aufkommt.
Vorweg möchte ich hier kurz die Diskussion sinngemäß wiedergeben:
Zunächst wurde argumentiert, dass das Geschäft von Tchibo ein Impuls-Geschäft sei. Wenn gekauft wird, wird idR sofort gekauft. Durch Cookies würden kaum zusätzliche Sales erfasst werden.
Darauf folgte zwangsläufig die Frage, warum man es dann nicht macht? Daraufhin wurde erwidert, die Implementierung wäre aufwändig und der zusätzliche administrative Aufwand würde sich nicht rechnen.
Meine Frage, worin genau der zusätzliche administrative Aufwand bestünde, wurde kurz und knapp mit “in der Bearbeitung” beantwortet. Was auch immer das heißen mag, ich wollte nicht darauf herumreiten.
Ich habe dann folgendes Beispiel angeführt: Ich bringe als Affiliate einen Kunden zu Tchibo.de. Dort sieht der Kunde: 7 Tage Lieferzeit, 5 Euro Versandkosten und denkt sich “das hol ich mir doch lieber gleich im Tchibo-Shop um die Ecke”. Nun bekomme ich dafür als Affiliate schon mal keine Provision, obwohl ich den Kauf-Impuls ausgelöst habe. Da wäre es doch fair, zumindest Provision für jene Verkäufe zu bekommen, die kurze Zeit später dann doch online erfolgen, weil das gewünschte Produkt im Shop ausverkauft oder generell nur online verfügbar ist.
Als Gegenargument wurde angeführt, dass es ja auch umgekehrt laufen könne. Also dass der Kunde im Shop oder in einem Prospekt ein Produkt sieht, dass er dann online über meinen Link bestellt.
Außer bei Eigenbestellungen dürfte das wohl kaum der Fall sein. Man kann doch davon ausgehen, dass die Kunden dann tchibo.de direkt aufrufen und nicht über meinen Affiliate-Link.
Ich war dann noch kurz etwas hartnäckig und hab mit Fairness etc. argumentiert.
Dann kam von Tchibo sinngemäß folgende Aussage: Die Provision, die bezahlt wird, ist genau kalkuliert. Würde auch mit Cookies getracked und es würden mehr Sales erfasst werden, müsste die Provision entsprechend niedriger sein. D.h. die “verlorenen Sales” sind quasi in die Provision eingerechnet.
An dieser Stelle habe ich dann w.o. gegeben. Denn dagegen kann man nicht argumentieren. Das kann man glauben, oder nicht. Nachdem ich auf der Heimreise etwas darüber nachgedacht hatte, kam ich jedoch zu dem Schluss, dass ich das nicht so ganz glauben kann. Der Grund: Tchibo startete sein Partnerprogramm bereits 2001. Zu diesem Zeitpunkt steckte Affiliate Marketing praktisch noch in den Kinderschuhen. Man hatte also wenig bis garkeine Erfahrungswerte z.B. in Bezug auf die Kundenstruktur. So ist z.B. meiner Erfahrung nach über AM der Anteil der Neukunden deutlich höher als bei anderen Werbeformen (wenn man von Bonus-Systemen und Gutschein-Seiten absieht). Auch die durchschnittliche Höhe des Warenkorbes ist nicht zwangsläufig die gleiche, wie über andere Werbe-Kanäle. Und natürlich hat sich das Volumen seit 2001 deutlich erhöht. Und dennoch ist die Provision noch immer bei 5 Euro – wie am ersten Tag. Das macht auf mich nicht den Eindruck, als wäre hier genau kalkuliert worden. Zumindest wurde wohl seit 2001 nichtmehr nachkalkuliert.
In einem der Vorträge war von einem starken Fluss zwischen den Vertriebskanälen die Rede. Wie das in der Diskussion von mir angefühte Beispiel zeigt, dürfte dieser “Fluss” für Affiliates schon die eine oder andere Provision kosten. Nicht zuletzt deshalb würde ich es als fair erachten, wenn auch spätere Verkäufe verprovisioniert werden.
Ich muss dazu sagen, dass ich im Fall von Tchibo absolut Verständnis dafür habe, dass nicht mit 30- oder gar 60-Tage-Cookie getracked wird. Denn wenn ich heute einen Besucher zu Tchibo schicke, der zwei Wochen später etwas bestellt, ist es mehr als wahrscheinlich, dass der Kaufimpuls letztendlich nicht von mir, sondern von anderen Kanälen ausgelöst wurde. Nicht zuletzt, weil das Produktsortiment zu diesem Zeitpunkt ja schon wieder ein völlig anderes ist. Dass Tchibo dafür dann keine Provision bezahlen will, ist absolut nachzuvollziehen. Eine Cookie-Laufzeit von einigen Tagen würde ich aber für absolut angemessen halten.
Da ich aber nicht ganz undankbar für den wirklich schönen und interessanten Tag in Hamburg sein will, möchte ich doch zu einem versöhnlichen Abschluss in diesem Beitrag kommen. Daher möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass sich die Conversionrate bei Tchibo durchaus sehen lassen kann – trotz Session-Tracking. Und auch die Storno-Quote ist erfreulich niedrig. Auch wenn man in Hamburg diesbezüglich keine Zahl nennen wollte (was ich daher auch an diese Stelle nicht mache). Ob faires Tracking oder nicht – Geld kann man mit Tchibo allemal verdienen
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Am 8. September 2007 um 14:22 Uhr
Fair wäre es, wenn Tchibo nicht bei Affilinet und Tradedoubler mit 30 Tagen Cookie-Lifetime werben würde, wenn letzten Endes doch nur die Session zählt! Das ist in meinen Augen Irreführung der Affiliates!
Am 8. September 2007 um 14:50 Uhr
Da hast du natürlich Recht. Hab ich auch schon an anderer Stelle angesprochen und grade auch einen weiteren Artikel zu dem Thema geschrieben, der aber erst am Montag online geht.
Am 8. September 2007 um 14:51 Uhr
Das wichtigste vergessen:
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob man das dem Merchant vorwerfen kann. Ich würde mal sagen, für korrekte Angaben zum Thema Tracking sind dann doch die Netzwerke verantwortlich.
Am 10. September 2007 um 20:46 Uhr
Na ja, ich denke wir sind uns einig, dass die technsiche Umsetzung denkbar einfach ist, sprich der Merchant will nicht per Cookie tracken und dann können wir doch aufhören zu diskutieren, denn wenn er es nicht will, hat es einen Grund und das ist Geld – unser Geld, da unsere Provisionen.
Das ein Tchibo Cookie übrigens 2 Wochen hält halte ich für unwahrscheinlich, würde es doch, wäre es auch dein sale, da kaum ein anderer Kanal.
Am 9. Dezember 2007 um 13:07 Uhr
[...] bezieht sich auf.. [...]
Am 9. Dezember 2007 um 13:13 Uhr
eigentlich wirklich ziemlich cool, was Tchibo hier macht, wenn die lediglich Session-Tracking machen. Sie sparen sich tatsächlich den ganzen Cookie Quatsch. Wie man im Artikel sieht, kann man sich unendlich lange Gedanken darüber machen, was alles wie und wo und wann getrackt wird, und was nicht. Fakt ist, dass man letztlich von einer Stochastik* ausgeht. D.h. es sind halt bei Tchibo e.g. 20% weniger Sales in der Statistik, weil Sie kein 30-Tage Cookie, sondern lediglich Sessiontracking haben. Diese 20% gleicht man dann über eine entsprechend höhere Provision aus. Wirklich richtig cool, Tchibo… Wenn man Programme auf mehreren Netzwerken hat, muss man als Advertiser tendenziell eine eigene Cookieverwaltung aufbauen, um nicht möglicherweise auf mehreren Netzwerken einen Sale für einen einzelnen Kaufvorgang zu generieren. … Eigentlich könnte man sich ganz allgemein auf Session-Tracking reduzieren, oder?
*die Schwankungsbreite ist bei Session-Tracking höher. Wenn ein Affiliate ‘einen schlechten Monat’ für tödlich hält, wird er eher zum Cookie neigen. Aber wen betrifft sowas schon?
Carsten muss ich natürlich zustimmen. Wenn ich mir auf Affilinet die Programmbeschreibung anschaue, dann ist das klar irreführend. Der 30 Tage Cookie gilt wohl nur für den Bereich ‘Reise’, und sonst nicht. Krasser Punkt. Werde ich mich gleich noch bei Affilinet beschweren.
Wenn man ein Programm im Vorfeld beurteilen möchte, kann man natürlich schauen, ob Cookie, Session, Cookie+Session, Provisionsrate.. und es gibt noch einige weitere Punkte auf der Liste: von welchen Nettopreisen(bei PPS) wird ausgegangen? Werden die Versandkosten rausgerechnet? Wird nicht gar mit Brutto gerechnet? Wird ein Abzug gemacht, weil es kein Storno gibt(..)? Wird mit alter oder neuer Mwst gerechnet?(lol) In welchen Fällen wird ein Sale storniert, Stichwort Teilretoure? etcppp.. Dann zählt natürlich noch die Frage, ob das eigene Besucherklientel zum Angebot im Programm passt? Wie gut sind die Werbemittel? Uswusf.. ein gutes Partnerprogramm kann wie eine Ehe sein. Es gibt Höhen und Tiefen und auch nach Jahren kann man sich fragen, ob man nicht eine andere hätte nehmen sollen… Vorteil im Vergleich ist sicher, dass man sich mit anderen über ein Programm austauschen kann, die wiederum Ihre Erfahrungen dazu gemacht haben. Beim Ehepartner wäre so eine Konstellation eher unerwünscht
Eigentlich war ich auf der Suche nach technischen Informationen zum Session Tracking. Ob ich das hier im Blog auf finde?